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„Die natürliche Selektion hat den Menschen nicht speziell dafür geschaffen, Marathons oder 100-Meter-Läufe zu bestreiten oder extrem schwere Gewichte zu heben, sondern dafür, in der freien Natur als Generalist zu überleben und zu gedeihen.“ (Loren Cordain)
„Das Studio der Zukunft“ titelte die Anzeige eines Fitnessgeräteherstellers, die ich mir Anfang des Jahres abspeicherte, um zu diesem Thema einen Artikel zu schreiben. Die Anzeige warb mit intelligenten Studiogeräten, die maximal automatisiert sind und mit minimalem Personalaufwand betrieben werden können. So sehr ich Fitnessstudios und deren präventive Gesundheitsangebote schätze, so sehr bin ich gleichzeitig der festen Überzeugung, dass Fitness- vor allem aber Gesundheitsstudios, wie wir sie heute kennen, nicht das bestmögliche Setting für Gesundheit im Allgemeinen und Bewegung im Speziellen sind. Zudem sei die Frage gestattet, ob immer technisiertere und mit immer weniger Personal ausgestattete Fitnessstudiokonzepte wirklich der Schlüssel zu einer gesünderen Gesellschaft sind?
Das Training an den Fitnessgeräten selbst steht seit Jahren immer wieder in der Kritik – wobei es auch unbestritten seine Vorteile hat. Anbieter wie MovNat, Animal Flow oder generell der Bereich des Funktionellen Trainings (aka Functional Fitness) arbeiten deshalb schon seit vielen Jahren gern mit dem Terminus „natürliche Bewegungen“ für ihre Übungen, womit Bewegungen gemeint sind, die – im Vergleich zum klassischen Gerätetraining im Studio – eher der Natur des Menschen entsprechen sollen.
Doch viel zu wenige sehen die Natur selbst als unsere Gesundheitsverbündete. Dabei geht es nur in zweiter Linie um die Bewegung in der Natur, also um reine Outdoor-Fitness. In erster Linie geht es um ein regelrechtes Verschmelzen mit der Natur, während wir uns bewegen. Das Aufsaugen all der Eindrücke dort draußen: die Rufe von Vögeln, das Rascheln von Ästen und Laub im Wind. Die Sonnenstrahlen und wie sie versuchen, den Waldboden zu erreichen. Die Kälte des Wassers an den Füßen. Die raue Oberfläche des Baumes beim Klettern oder die Unebenheit des Weges beim barfüßigen Rennen. Die Auswirkungen dieser bewegten Naturerfahrung sind gesundheitlich mehr als vielversprechend – für Körper und Geist. Oder, wie ich gerne zu sagen pflege: Es geht nicht nur um verbrannte Kalorien und trainierte Muskeln, sondern darum ein Feuer zu entfachen und wieder lebendig zu sein.
Um 9 Uhr starte ich mit meiner Klientin an einem Parkplatz in der Nähe des Waldes. Ohne Smartphone, ohne Uhr und fast ohne Schuhe. Leichte Barfusschuhe durften es dann doch sein, denn eine eineinhalbstündige Tour durch den Wald ist definitiv auch schon ohne Jogging nichts für untrainierte Barfüße. Nach einem fünfzehnminütigen strammen Marsch zum Aufwärmen mit sagenhaftem Ausblick tauchen wir über einen kurzen aber steilen Anstieg in den Wald ein. Es beginnt zu regnen. Der Nieselregen prasselt gleichmäßig auf das Blätterdach der Buchen. Ein kleiner Bachlauf plätschert unweit von uns hangabwärts, während uns von weiter oben Vögel zurufen. Die ersten Meter im Wald bleiben wir noch trocken, geschützt von den ausladenden Baumkronen. Auf dem nun folgenden schmalen Weg huschen wir geduckt an kleinen Buchen vorbei, deren feuchtes Geäst auf den Trail ragt. Die kurze Joggingstrecke wird schnell unterbrochen, denn zahlreiche Baumstämme liegen kreuz und quer auf dem steinigen Pfad und erschweren ein zügiges Weiterkommen. Doch durch vorsichtiges Balancieren, Festhalten, Hocken, Springen und zielgenaues Landen, Abstützen, Klettern und Bücken überwinden wir die rutschigen Hindernisse. Unser Weg wird breiter. Der Bach verläuft mittlerweile direkt neben uns und hat sich ein paar Gehminuten später von seinem ursprünglichen Lauf verabschiedet, um direkt auf dem Weg zu fließen. Wir halten an und ziehen die Schuhe aus. Unsere Füße genießen das kühle Nass und den sandig-steinigen, massierenden und gleichzeitig fordernden Untergrund.
Wenige Schritte später verlassen wir den Weg und haben keine fünfzehn Minuten nach Betreten des Waldes die Zeit komplett vergessen. Wir streifen umher, dem Bach folgend und feuchtes Laub vom Vorjahr unter den Füßen. Der Regen hat mittlerweile wieder aufgehört. Der Kopf ist frei, voll im Hier und Jetzt, konzentriert auf den kommenden Schritt. Kopfkino und Gedankenkarussell haben ihren Betrieb eingestellt. Der Mental Load des Alltags ist vergessen. Neue Ideen sprudeln.
Wieder taucht wie aus dem Nichts ein breiterer Weg vor uns auf und lässt trabendes lockeres Jogging und einen umherschweifenden Blick in den Wald zu. Kurz bevor wir auch diesen Weg verlassen, reduzieren wir das Tempo erneut und laufen gebückt durch Gestrüpp und Geäst. Unverhofft tut sich vor uns mitten im Wald ein großer freier, nur mit Laub bedeckter Platz auf. Wir setzen unsere Trailrunning-Rucksäcke ab, trinken etwas, holen zwei Indian Clubs aus unserem Gepäck und machen einige Übungen für einen entspannten Nacken und kraftvolle Schultern – mutterseelenallein und umgeben von grünen Büschen und in den Himmel ragenden Bäumen.
Die Rucksäcke wieder geschultert geht es vorsichtig hangabwärts, bis wir erneut auf einen Weg treffen. Der Weg ist kein unbekannter, war er doch zu Beginn des Mikroabenteuers unsere Eintrittspforte in den Wald. Wir hören und sehen den kleinen Bachlauf wieder, der sich nun mit jedem Schritt ein bisschen mehr von uns entfernt. Bis wir schließlich den Buchenwald, ohne dass wir auch nur eine weitere Menschenseele gesehen hätten, wieder verlassen.
Der kurze, steile Anstieg vom Anfang ist nun unser Abstieg, bei dem wir uns ein letztes Mal konzentrieren müssen, um nicht auszurutschen. Ein letztes Mal treffen wir auf den nun von in die Jahre gekommenen Betonplatten geführten Bach und waschen uns den Matsch von Beinen und Füßen. Kurz vor dem Parkplatz machen wir noch eine Pause auf einer Bank in traditioneller Wandermanier. Wir essen noch ein paar Nüsse und Obst und lassen unser kleines Abenteuer Revue passieren.
– Thomas
Vor 14 Jahren habe ich das erste Mal, damals noch unter dem Namen „Natürliches Bewegungstraining“, Mikroabenteuer für mein Klientel angeboten und miterleben dürfen. Seither haben diese einzigartigen Auszeiten im Wald nicht ein bisschen an Glanz verloren. Ganz im Gegenteil: Je mehr uns Themen wie Zeitdruck und Zeiteffizienz oder familiäre sowie berufliche Verantwortung und damit mehr und mehr Verbindlichkeiten vereinnahmen und in unser Leben treten, desto wertvoller werden solche bewegten Waldabenteuer um auf mentaler und körperlicher Ebene Kraft und Energie für einen fordernden zivilisatorischen Alltag zu tanken. – Kontaktiere mich bei Interesse gerne persönlich für mehr Infos.
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