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Mein Leben war schon immer durch viel Bewegung und den damit einhergehenden Sportverletzungen geprägt. Unzählbare Stürze vom Mountainbike in den 90ern, Kapselüberdehnungen der Finger im Handballunterricht an der Sportuni, heftigste Schulter- und Sprunggelenkstraumate beim Turnen am Barren und eine langwierige Fußverletzung durch das Capoeira-Training sind nur die Spitze des Eisbergs und das, woran ich mich spontan gut erinnern kann…
Als ich mich dann nach meinem Studium als Trainer im Bereich Prävention so um das Jahr 2009 selbstständig machte, trat plötzlich etwas in mein Leben, das ich bisher so nicht kannte: Ich hatte Rückenschmerzen. Diese traten, aus heutiger Sicht fast lustigerweise, vor allem nach meinen Rückenschul- und Wirbelsäulen-Trainings auf und waren mal mehr, mal weniger präsent. Unterschwellig waren sie jedoch immer da.
Die Bewegungswerkzeuge und das Wissen aus meinem Studium nutzten mir leider nicht wirklich. Also war ich von nun an auf der Suche. Auf der Suche nach Methoden, die mir halfen, meine Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen. Ich ging zu Masseuren, Orthopäden und zu Osteopathen, hatte Physiotherapie, testete die Methode eines selbsternannten Schmerzspezialisten und die Chiropraktik. Dort wurde ich gedrückt, gezogen, gespritzt, gequaddelt und verdreht. Die Resultate dieser Therapien waren mal besser und mal schlechter. Sie wirkten mal kürzer und mal etwas länger. Sie nahmen mir die Schmerzen für Tage oder auch nur für wenige Stunden. Nachhaltig war diese Herangehensweise – zumindest in meinem individuellen Fall – jedoch nicht. In meinen Augen lag das zurückblickend vor allem an einer Tatsache: Es wurde immer an mir therapiert und das, obwohl ich doch immer wieder sagte, dass es meine über Jahre „hart erarbeiteten“ Rückenschmerzen seien und ich hier auch eigenverantwortlich mitarbeiten möchte. (Anmerkung: Einige der erwähnten Methoden sind nun heute auch ein Stück weiter und haben neben passiven Behandlungen auch aktive Übungen, meist in Form von Dehnübungen, im Programm)
Ich testete selbstverständlich auch aktive Methoden und deren Auswirkungen auf meinen Rücken aus. Allem voran das mir über viele Jahre bereits gut bekannte Krafttraining sowie klassische gymnastische Übungen, wie man sie womöglich in vielen Disziplinen wie dem Yoga, Pilates oder auch der Wirbelsäulengymnastik finden wird. Doch auch hier waren die Ergebnisse, genau wie mit Dehnübungen, leider nur „Okay“ und somit für mich alles andere als zufriedenstellend.
Die besten Ergebnisse erzielte ich zu dieser Zeit mit dem banalen durchbewegen von Gelenken. Schon damals stritt man sich darüber, ob es sich um Mobility- oder Flexibility-Übungen handelt (oder was auch immer) und diskutierte bis ins letzte Detail den Unterschied der verschiedenen Begrifflichkeiten. Mir war das recht gleichgültig und ich nannte es einfach: Durchbewegen von Gelenken. Beim Training dieser Übungen zeigten sich mit der Zeit einige Prinzipien, die sich als nützlich herausstellten und die ich auch heute noch in Trainings unterrichte.
Es dürfte etwa 2011 gewesen sein, als ich über Umwege
Jutta Schäfer-Bossong aus Darmstadt kennenlernte und bei ihr Unterricht in der Alexander-Technik nahm, einer körperorientierten Methode der Wahrnehmungs- und Bewegungsschulung, die vom australischen Schauspieler Frederick Matthias Alexander entwickelt wurde. Körperorientiertes Lernen? What? Ich konnte damals nur sehr wenig mit diesem Begriff anfangen, war aber interessiert, denn es ging thematisch unter anderem darum, ungünstige (Bewegungs-)Gewohnheiten wahrzunehmen und in Eigenregie zu verändern. Im Gegensatz zu den altbekannten Wettkampfsportarten tauchte hier nun plötzlich der Aspekt Körper- und Bewegungswahrnehmung auf. Die Langsamkeit einer Bewegung wurde hierbei bewusst als Trainingsprinzip eingesetzt, was sich Jahre später auf einem von mir besuchten Seminar mit
Dragisa Jocic, einem Kampfkunstlehrer aus Bern, wiederfand als er sagte: „Wenn du die Dinge zu schnell tust, verlierst du die Details.“ Ich fing nun also an, alltägliche Bewegungen als Training zu verstehen und diese langsam und bewusst auszuführen, fing an mich auf die Details zu konzentrieren, mit dem Fokus, die Bewegungen effizienter zu machen. Und ich spürte erste wirkliche und nachhaltigere Veränderungen.
Nachdem ich einige Zeit von Jutta Schäfer-Bossong unterrichtet wurde und nebenbei auch die bekanntere Feldenkrais-Methode in Einzelsitzungen kennengelernt hatte, wurde mein Interesse schließlich für eine weitere Person geweckt: Dr. Thomas Hanna, ein studierter Religionsphilosoph, der fasziniert von der Funktionsweise des menschlichen Nervensystems ein Neurophysiologie-Studium aufnahm und vom Physiker, Kampfkunstlehrer und Körpertherapeuten Moshé Feldenkrais ab 1973 in Funktioneller Integration, dem Einzelunterricht der Feldenkrais-Methode, ausgebildet wurde.
Ein Freund, selbst Heilpraktiker und Osteopath, den ich auf einem Kettlebell-Seminar kennenlernte und von dem ich vieles in Sachen Triggerpunkte lernen durfte, organisierte zu Hannas Arbeit ein Wochenendseminar in Frankfurt am Main mit meiner späteren Mentorin Martha Peterson: „The fundamentals of Hanna Somatic Education Intensive“. Und so lernte ich die Arbeit von Dr. Thomas Hanna „Hanna Somatic Education®“ kennen, eine Methode, die auch unter dem nicht geschützten Namen Clinical Somatics bekannt ist. Der Begriff Clinical Somatics geht ebenfalls auf Thomas Hanna zurück, der seine Einzelsitzungen "clinical sessions" nannte.
Es offenbarte sich ein völlig neues Feld für mich: Dort wo mir die Feldenkrais-Methode zu nebulös erschien und in vielen Aspekten zu kleinteilig und nicht greifbar war, gab mir Thomas Hanna eine klare und nachvollziehbare Struktur, die mir als Sportwissenschaftler wichtig war. Dort wo mir die Sportwissenschaften oft zu wettkampfbehaftet waren, gab mir Hanna tiefe Einblicke in einen Bereich, den ich gerne „intelligente Bewegung“ nenne und schuf Verbindungen zu Disziplinen wie der Psychologie, Evolutionsbiologie, Neurophysiologie oder auch der Philosophie.
Ich begann mir viele Fragen zu stellen. Ging es mir immer noch ganz banal darum, meine Rückenschmerzen loszuwerden? Oder ging es um nichts Geringeres als Freiheit? Um die Bewegungsfreiheit auch noch mit 70 Jahren die drei Treppenstufen vor dem Haus herunterlaufen zu können? Die drei Treppenstufen, die mich mit der Welt dort draußen verbinden. Ging es um die Freiheit, den Fußboden im Alter immer noch als Freund betrachten zu können und weniger Angst vor einem Sturz haben zu müssen? Die Freiheit, mit den funktionellen Beschwerden meines Bewegungsapparates arbeiten zu können und diesen nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein?
Thomas Hanna selbst wurde mein Mentor, auch wenn er bereits im Jahr 1990 bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben kam. Doch die alten Ton-Aufnahmen mit seinem charmanten texanischen Akzent begleiteten mich von nun an viele Jahre Tag um Tag – vor allem als meine Kinder ihren Mittagsschlaf noch in der Trage verbrachten und ich überdurchschnittlich viel Zeit mit spazieren gehen verbrachte.
Ich ließ mich schließlich von
Martha Peterson in den USA, Kanada und Norwegen über drei Jahre berufsbegleitend ausbilden, integrierte die Clinical Somatics-Übungen fast täglich in mein Leben und verfeinerte die Übungen. Ich recherchierte viel über Thomas Hanna, war im Briefwechsel und persönlichen Austausch mit Menschen, die Hanna und seine Arbeit noch gut von früher kannten.
Meine Arbeit war zu dieser Zeit stark geprägt von Clinical-Somatics-Einzelsitzungen – meist mit Menschen, die unter Rückenschmerzen, Schulter- und Nackenbeschwerden, aber auch unter allgemeiner Gelenksteifheit litten oder andere funktionelle Beschwerden meist mit dem Bewegungsapparat hatten. Doch ich hatte große Probleme mit dem klassischen Therapeut-Patient-Verhältnis bei dieser Arbeitsweise. Ich verstand mich als Lehrer, wurde letzten Endes aber doch von vielen „nur“ als Therapeut gesehen, der Schmerzen in ein bis drei Einzelsitzungen „wegmachen“ sollte. Die Hausaufgaben, die Clinical-Somatics-Übungen, wurden oft nur halbherzig umgesetzt oder es war schwer diese in den Alltag zu integrieren. So richtig wurde mir das erst klar, als eine Grundschullehrerin zu unserem zweiten Termin kam und sagte: „Herr Schäfges, ich muss mich entschuldigen. Ich habe meine Hausaufgaben nicht gemacht.“ Nachhaltig und wirklich zufriedenstellend war diese Arbeitsweise für mich nicht.
Heute arbeite ich anders. Nur noch selten habe ich Menschen, mit denen ich oberflächlich in wenigen Terminen zusammenarbeite. Denn auch der Weg mit Hanna Somatics ist ein Weg, der selbst gegangen werden muss. Er erfordert ein gewisses Commitment und den Willen, die Methode kennenzulernen und umzusetzen, damit zu „spielen“ und an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Aus diesem Grund nutze ich die Methode von Dr. Thomas Hanna heute fast nur noch im Kontext meiner Personal Trainings. Hier arbeite ich über lange Zeiträume mit Menschen zusammen. Manche Klienten sehe ich dreimal in der Woche; andere nur alle zwei Wochen. Doch wir sind im engen Austausch, können Probleme bei der Umsetzung besprechen und gemeinsam angehen, können Übungen anpassen und neu erfinden, einen individuellen Übungsplan erstellen. Und vor allem besteht im Personal Training-Kontext die Bereitschaft, den Weg selbst aktiv zu gehen.
Die Technik hinter den Clinical Somatics-Übungen lässt sich recht gut mit der progressiven Muskelentspannung (PME) nach Dr. Edmund Jacobson unter Berücksichtigung aktueller neurobiologischer Erkenntnisse vergleichen. In den Anspannungs- und Entspannungsphasen geht es vereinfacht gesagt, um eher langsames bewusstes anspannen und kontrolliertes wieder lockerlassen. Thomas Hanna nutzte hierfür den Terminus „Pandiculation“. Da Pandiculation jedoch, nicht nur in meinen Augen, eine etwas andere Bedeutung hat, nutze ich lieber den erweiterten Begriff „Pandiculation nach Thomas Hanna“.
Im Gegensatz zur Herangehensweise der PME einzelne Muskeln nacheinander anzusteuern, beruht Thomas Hannas Arbeit jedoch auf Bewegungsmustern, getreu dem Motto „das Gehirn kennt keine Muskeln, es kennt nur Bewegungen“. Hanna legte hier besonderen Wert auf drei stressbedingte Muskelreflexe, die im Mittelpunkt seiner Arbeit standen.
Wichtig für die Bewegungstheorie ist außerdem die Tatsache, dass die Übungen meist am Boden auf dem Rücken, Bauch oder auf der Seite liegend ausgeführt werden. Der Fokus kann somit voll und ganz auf die Bewegung selbst sowie auf die Atmung gelenkt werden. Weiterhin unterstützt uns in diesen Ausgangslagen die Schwerkraft ideal beim Entspannen während des Zurücksinkens auf den Boden. Je satter wir am Ende der Bewegungseinheit auf dem Boden aufliegen, desto entspannter sind wir und desto mehr Kontrolle haben wir zurückgewonnen.
Überaus spannend waren hier für mich auch die Parallelen zur und der Einfluss auf die Kampfkunst, denn damals lernte ich in der altrussischen Kampfkunst Systema das Prinzip der „Relaxed Punches“ kennen, welches die positiven Auswirkungen der Muskelentspannung auf die Intensität eines Schlages beschreibt.
Ähnlich wie die Neuroathletik aus dem Sportbereich oder die Feldenkrais-Methode aus dem Feld des körperorientierten Lernens, setzt auch Hanna Somatics am Nervensystem an und möchte über ein Ansteuern der „Software“ (Nervensystem) die „Hardware“ des Körpers (Muskeln, Faszien und Co.) aber auch andere Parameter wie die körperliche Leistungsfähigkeit oder Schmerzen positiv beeinflussen. Obwohl die Evidenz hinsichtlich dieser Methoden eher mau ist, sind es jedoch wahrlich interessante und erfolgversprechende Ansätze für die Praxis.
Ein Nutzen der Feldenkrais-Methode bei eingeschränkter Beweglichkeit konnte beispielsweise anhand der wissenschaftlichen Datenlage bisher nicht eindeutig festgestellt werden, so ein aktueller Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Hinsichtlich Morbus Parkinson sowie für chronische Schmerzen im unteren Rücken gibt es jedoch Anhaltspunkte für einen Nutzen.
Sehr aktuell aus dem letzten Quartal 2022 gibt es nun auch eine Studie zu Hanna Somatics, die im Saudi Journal of Medicine and Medical Sciences veröffentlicht wurde. Es handelt sich um eine retrospektive Studie, in der der Einfluss von Hanna Somatics auf Nackenbeschwerden und Schmerzen im unteren Rücken untersucht wurde. Nach jeder Einzelsitzung wurden das Schmerzlevel, sowie Schmerzmittelkonsum und Arztbesuche aufgrund der Schmerzen abgefragt und für die Studie dokumentiert. Die Autoren der Studie fanden einen signifikanten positiven Einfluss der untersuchten Methode auf chronische Beschwerden der Wirbelsäule, fordern aber auch weitere Studien, die unter anderem die verwendeten Techniken kritisch begutachten sollten.
Man könnte es jetzt so darstellen, als ob das nun der wissenschaftliche Beweis für die Wirksamkeit von Hanna Somatics sei – was es selbstverständlich nicht ist. Ein guter Anfang ist es jedoch allemal.
Da es sich in vielen Fällen lohnen kann, die Clinical-Somatics-Übungen in den Alltag auf die ein oder andere Weise zu integrieren, hier nun meine Anleitung für die zwei fundamentalen Übungen „Der Bogen“ (Arch & Release) sowie „Somatic Crunch“ (Arch & Curl).
Ein Soma ist in der Neudefinition nach Thomas Hanna der von innen erlebte Körper. Ohne diese Fähigkeit unseren Körper wahrzunehmen, hätten wir ein gewaltiges Problem, denn alle organischen Vorgänge sind sensomotorischer Natur, betreffen also immer das Wahrnehmen eines Reizes und die motorische Antwort darauf. Der Soma Scan ist somit dein Vorher-Nachher-Testinstrument. Nimm dir eine oder zwei Minuten vor den Übungen Zeit für diesen Test, um deinen Körper und seine Muster kennenzulernen und mache einen Vorher-Nachher-Vergleich nach den Übungen.
Übungsbeschreibung
In Rückenlage hörst du in deinen Körper hinein. Wie liege ich auf dem Boden? Fällt mein Kopf in den Nacken? Benötige ich ein Kissen zum gemütlichen Liegen? Liegt die Rückseite meiner Schultern locker auf dem Boden oder zeigen die Schultern deutlich in Richtung Decke? Wie ist meine Atmung? Tief und entspannt oder eher brustbetont und flach? Wie fühlt sich mein unterer Rücken an? Ist dessen Abstand zum Boden sehr groß oder liegt er fast am Boden auf? Falls Ersteres der Fall ist: Welche Auswirkungen hat diese Position? Kann ich meine Beine locker am Boden abgelegt lassen oder würde ich die Füße lieber nah am Gesäß abstellen und so den unteren Rücken abflachen und entlasten? Wie liege ich insgesamt auf dem Boden? Voll, schwer, entspannt? Oder punktuell und angespannt? Kann ich mein eigenes Körpergewicht am Boden spüren? Oder ist selbst das Liegen auf dem Boden mit Anstrengung verbunden?
Weitere Fragen, die du dir nach dem Übungsprogramm beim Vorher-Nachher-Vergleich oder nach späteren Übungseinheiten stellen kannst:
Wie liege ich nun auf dem Boden? Was hat sich verändert? Du merkst keinen Unterschied? Woran könnte das gelegen haben? Wie hast du die Übungen gemacht? Hektisch, in Eile, unachtsam? Spürst du einen Unterschied, wenn du die Übungen ruhig und achtsam durchführst? Vielleicht spürst du auch erst einige Minuten später beim Stehen oder Gehen im Anschluss an die Übungen einen Unterschied? Was verändert sich, wenn du die Übungen über einige Wochen regelmäßig durchgeführt hast?
Übungsbeschreibung
Der Bogen ist das Fundament der Clinical Somatics-Übungen. Von dieser Übung lassen sich viele weitere ableiten. Und auch wenn sie banal erscheint, hat sie schon so manchen Rückenstrecker entspannt und den Übenden wieder mehr Kontrolle und damit auch mehr Kraft und Stabilität über große Teile der Rückenmuskulatur verschafft.
Foto 1: Starte in Rückenlage, die Füße nah am Gesäß auf dem Boden abgestellt. Bring deine Wahrnehmung zum Becken.
Foto 2: Atme entspannt und ungezwungen in den Bauch ein und wölbe behutsam deinen Rumpf. Du gehst somit sanft ins Hohlkreuz und bringst deinen unteren Rücken weiter vom Boden weg, ohne dass dein Becken hierbei den Kontakt zum Boden verliert. Spürst du, wie sich deine Halswirbelsäule bei dieser Bewegung im Gegenzug abflacht? Du kannst die Anspannung auf deiner Körperrückseite nun noch intensivieren, indem du ein Doppelkinn machst und den Hinterkopf dabei behutsam in den Boden drückst.
Foto 3: Mit der Ausatmung sinkt dein Rücken schließlich wieder kontrolliert zurück auf die Matte. Bitte den Rücken nicht mit Kraft zurück zum Boden drücken, sondern Stück um Stück die Anspannung reduzieren und den Rücken zu Boden sinken lassen. Deine Rückenmuskeln werden dabei gefühlt länger und entspannen sich komplett.
Atme nach jeder Wiederholung ein bis dreimal ruhig, bestenfalls durch die Nase, ein und wieder aus, bevor du mit der nächsten Wiederholung beginnst. Lerne mit der Zeit auch den entspannenden Wert der Atempause, die Zeit zwischen Ein- und Ausatmung vice versa, kennen und schätzen.
Falls dein Rücken empfindlich ist und schnell krampft, kannst du diese Übung auch mit nur ganz kleinen Bewegungen ausführen. Je empfindlicher du bist, desto langsamer, bewusster und achtsamer solltest du bei der Übung vorgehen. Auch das Unterfüttern des Kopfes mit einem kleinen Kissen ist möglich, falls das flache liegen auf dem Boden unbequem sein sollte.
Übungsbeschreibung
Der Somatic Crunch ist eine Erweiterung des Bogens. Ein gemeinsames Spiel zwischen der Rück- und der Vorderseite deines Körpers. Ein hin- und herpendeln zwischen Beugen und Strecken der Wirbelsäule. Während der Bogen mit dem zurücksinken auf den Boden beendet ist, leitest du beim Somatic Crunch hier nun die Gegenbewegung ein und rollst dich vom Boden ab. Ein Ziel ist das Wiedererlangen der Kontrolle von Bauchmuskulatur und Rückenstrecker und das Wiederfinden der entspannten Mitte, um müheloser aufrechter stehen, besser atmen und im Sport beispielsweise besser Rotationen des Oberkörpers ausführen zu können.
Foto 1: Starte in Rückenlage, die Füße nah am Gesäß auf dem Boden abgestellt. Die Hände verschränkst du hinter deinem Kopf. Bring deine Wahrnehmung zum Becken.
Foto 2: Atme entspannt und ungezwungen in den Bauch ein und wölbe behutsam deinen Rumpf. Du gehst somit sanft ins Hohlkreuz und bringst deinen unteren Rücken weiter vom Boden weg, ohne dass dein Becken hierbei den Kontakt zum Boden verliert. Spürst du, wie sich deine Halswirbelsäule bei dieser Bewegung im Gegenzug abflacht? Du kannst die Anspannung auf deiner Körperrückseite nun noch intensivieren, indem du ein Doppelkinn machst und den Hinterkopf dabei behutsam in deine verschränkten Hände drückst.
Foto 3: Mit der Ausatmung sinkt dein Rücken schließlich wieder kontrolliert zurück auf die Matte. Bitte den Rücken nicht mit Kraft zurück zum Boden drücken, sondern Stück um Stück die Anspannung reduzieren und den Rücken zu Boden sinken lassen. Deine Rückenmuskeln werden dabei gefühlt länger und entspannen sich komplett.
Foto 4: Mit der folgenden Ausatmung übernimmt deine Bauchmuskulatur die Regie, dein Becken rollt zurück und drückt den unteren Rücken sanft aber deutlich in Richtung Boden. Gleichzeitig geht dein Kinn in Richtung Brust und der Kopf hebt sich, getragen von deinen Händen, ab. Die Ellenbogen bewegen sich nun aufeinander zu. Der Brustkorb schiebt nach unten in Richtung des Beckens und lässt die Bauch- und Zwischenrippenmuskulatur weiter anspannen. Die Ellenbogen wandern so langsam in Richtung der Knie. Spürst du, wie beim schrittweisen Aufrollen und Verkürzen der Vorderseite dein Rücken immer länger und runder wird? – Denke bitte immer daran, dass es sich bei der Übung trotz einer gewissen Ähnlichkeit nicht um einen schwungbetonten Bauchmuskel-Crunch aus dem Fitnessstudio handelt.
Foto 5: Mit der Einatmung in den Bauch rollst du langsam, Wirbel für Wirbel, wieder in die Ausgangsposition auf den Boden zurück und legst Kopf und Ellenbogen kontrolliert ab. Vergewissere dich, dass vor allem deine Bauchmuskulatur wieder komplett locker lässt.
Atme nach jeder Wiederholung ein bis dreimal ruhig, bestenfalls durch die Nase, ein und wieder aus, bevor du mit der nächsten Wiederholung beginnst. Lerne mit der Zeit auch hier den entspannenden Wert der Atempause, die Zeit zwischen Ein- und Ausatmung vice versa, kennen und schätzen.
Nutze diese kleine Sequenz am besten losgelöst von Krafttraining, sportartspezifischem Training und Co. Lege die Übungen zeitlich am besten in den Morgen direkt nach dem Aufstehen oder in den Abend vor dem zu Bett gehen. Die Clinical-Somatics-Übungen können auch gerne mit einer kleinen Bewegungsroutine am Boden mit Übungen wie z.B. Cat-Cow kombiniert werden.
Das Einsatzgebiet ist vielfältig. Ich empfehle die Clinical-Somatics-Übungen aber vor allem gerne
Ich persönlich nutze die Clinical-Somatics-Übungen nach wie vor. Sie retteten mich durch die ersten Jahre mit zwei kleinen Kindern, eine Zeit die von wenig Schlaf und langem tragen der Kinder im Tragetuch, auf dem Arm, auf den Schultern geprägt war. Die Übungen retteten mich schon oft im Heimwerker-Alltag, wenn Ego und die zu hebende Last wieder größer waren als die reale Leistungsfähigkeit. Sie gaben mir viele Male Ruhe und Entspannung nach einem anstrengenden Arbeitstag und sorgten somit auch für einen erholsamen Schlaf.
Ganz gewiss sind die Clinical-Somatics-Übungen keine Alternative zu einem Kraft- oder sportspezifischem Training (sie wollen es auch gar nicht sein). Ergänzend jedoch sind Übungssystem und theoretischer Hintergrund ein extrem gutes Tool im Werkzeugkasten von Trainern (Personal Trainer, Fitnesstrainer, Athletiktrainer usw.) und in meinen Augen für viele therapeutische Berufe (Physiotherapie, körperorientierte Psychotherapie, Orthopädie usw.), als auch direkt für Athletinnen und Athleten oder „schmerzgebeutelte Körper“ außerordentlich nützlich und definitiv einen Versuch wert.
– Thomas
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